Leseprobe
"Lenny vom See -Flusslande"
Der Rumäne wendete.
Durch das offene Fenster wehte ein süßlicher Geruch herein, der mit jedem Meter
unangenehmer wurde. Pete zog sein Halstuch vor die Nase.
„Das ist ja ein fürchterlicher Gestank. Wo sind wir hier?“
„Wie heißt auf Deutsch? Müll? Müllplatz?“ Eugen lenkte lässig mit einer Hand.
„Hunde oft hier, haben immer Hunger.“
„Dann halt hier an.“ Mit einem Satz sprang Pete aus dem Wagen und sprintete auf die Müllkippe zu.
„SCRUFF!!? SCRUFF!!“
Der Gestank wurde unerträglich. Eine dunkle Fliegenwolke hing über verschimmelten Essensresten. Insekten - überall. Sie folgten dem süßlich verdorbenen Geruch und überzogen den Abfall mit einer wogenden Schicht blauschwarz glänzender Leiber.
Sie wühlten sich durch Exkremente, hockten auf speckigem Papier und unter grünen Schimmelplacken, die als eklig schleimige Decke auf undefinierbarem Müll wuchsen. Kaum kenntliche Überreste zeugten von Vögeln, die hier wohl verschimmeltes Brot gefressen hatten und daran verendet waren. Anklagend ragten ihre Schwingen aus dem Dreck empor.
„SCRUFF!!! SCRUFF!!“ Pete trat den stinkenden Abfall auseinander und fuhr entsetzt zurück, als er auf zwei Hundekadaver stieß. Bis zur Unkenntlichkeit verrottet, zeigten nur noch die schmutzig grauen Fellreste und fast skelettierte Schädel, dass hier einmal Tiere gelebt hatten. Ihre kleinen Körper lagen dicht zusammen, als hätten sie Schutz und Trost beieinander gesucht. In den Augenhöhlen summten Myriaden fetter Fliegen. Sie legten ihre
Eier ab, verwerteten die letzten Reste tierischen Gewebes, die Würmer und Käfer übriggelassen hatten.
Ganz in der Nähe entdeckte Pete noch einen Kadaver, er war größer als die anderen. Wahrscheinlich die Mutter der toten Welpen. Eine Horde grauschmutziger Ratten stob auseinander. Mit hohen Schritten ging Pete langsam weiter. Wieder hörte er ein
Winseln, unendlich schwach diesmal. Wieder ein Welpe, verdreckt und bis auf die Knochen abgemagert. Er lag auf der durchseuchten Erde, im stinkenden Müll. Ein paar Ratten lauerten auf seinen Tod. Angewidert scheuchte Pete sie mit einem Stock fort.
Der Welpe regte sich nicht, er lag im Sterben. Zu schwach, um den Kopf zu heben, senkte sich der kleine Brustkorb kaum wahrnehmbar. Ein letztes Ringen mit dem Tod, aber der Kampf war längst verloren. Ganz behutsam schob Pete ihm die Hand unter das Köpfchen. Der Seufzer des Welpen war nur ein Hauch, dann atmete er nicht mehr.
